Die Zwillbos bringen die kosmische Ordnung ins Gleichgewicht

„Ma“ ist der erste, nach dem Pepe morgens fragt, wenn er und sein Bruder nicht im selben Zimmer geschlafen haben. „Ma“ gehört neben ihn in den Kindersitz, in den Kinderwagen und in den Hochstuhl. „Ma“ hat sich zwar im Bauch ganz schön breit gemacht, aber das trägt Pepe seinem „jüngeren“ Bruder nicht nach. Sie sind erst etwas älter als 15 Monate, und doch wissen Mads und Pepe, dass sie zusammengehören. 

Früh teilen lernen

Natürlich ist es total praktisch, wenn man einen Zwillingsbruder hat, dem man Spielsachen und Bücher wegnehmen kann. Wie sollte man sonst wissen, wie interessant der Gegenstand eigentlich ist, den der andere gerade in der Hand hält, wenn es nicht in Echtzeit dokumentiert würde?! Aber ganz oft können die Zwillbos schon richtig gut teilen. Oder zumindest Dinge abgeben. Sie reichen sich gegenseitig Dinkelstangen an oder kleben dem Bruder das Stück Marmeladenbrot ins Gesicht, das sie selbst nicht mehr essen möchten. Sehr liebevoll, versteht sich. 

Manchmal weiß ich nicht genau, ob gerade eine Prügelei im Gang ist, oder ob sie sich gegenseitig ihre Zuneigung bekunden – unter Brüdern scheint es auch normal zu sein, das mit mittelsanften Schlägen mit einem Spielzeugbagger auf dem Kopf des anderen zu erledigen. Die Zwillbos zanken sich selbstverständlich um alles mögliche. Im Zweifelsfall darum, wer weiter in der Mitte auf Mamas Schoß sitzen darf. Und dann gilt Auge um Auge, Milchzahn um Milchzahn. Aber mit der gleichen Inbrunst lieben sie einander. Sie umarmen sich, bis sie gemeinsam umfallen, nehmen einander an die Hand, lachen Tränen bei Spielen, die nur sie verstehen. Sie bringen sich gegenseitig ihre Schnuller und ihre Kuscheltiere. Man muss sich einmal vergegenwärtigen, dass die beiden vom allerersten Herzschlag an zusammen waren! Wer bekommt da keine Gänsehaut?

Zwillingsliebe. Sonnenseite.

 
Pepe ist eine kleine Quasselstrippe [das muss er von seinem Vater haben]. Ich bin mir ziemlich sicher, dass sein Zwilling sich manchmal stundenlang ausschweigen würde, würde sein eine Minute älterer Bruder ihn kommunikativ nicht so…anregen. Mads ist von Anfang motorisch irgendwie etwas weiter. Er hat schon beim Greifen irgendwie konzentrierter und gezielter gearbeitet. Das hat sich bis heute fortgesetzt. Pepe erlebt das Tag für Tag mit. Und es macht was mit ihm. Er ackert wie verrückt. Um sich drehen zu können, um robben zu können, um sitzen zu können und auch, um laufen zu können. Er tut das mit viel Energie, oft mit wenig Präzision, aber unterm Strich doch mit großem Erfolg [und großem Beulen-Aufkommen sowie Arnika-Konsum]. 
Das Leben an sich ist anstrengend

Sicher, Zwillinge sind anstrengend. Aber ich vermute fast, das sind Kinder im Allgemeinen. Auch Familie im Allgemeinen ist oftmals anstrengend. Oder jegliche Art von tiefgehenderer Beziehung. Oder das Leben an sich. Doch eines ist ziemlich gewiss: Wenn nur einer der beiden da wäre, wäre der Kosmos sicherlich nicht im Gleichgewicht. Und ich müsste hundert Mal mehr „Kuckuck – daaaaa!!!“ spielen. Denn so übernehmen sie das meist selbst.

Wie ich mitten im Stress mir selbst begegnete

Kinder bringen einfach unsere persönlichen, mit großer Sorgfalt vertuschten Baustellen zum Vorschein. So sehr ich auch manchmal versuche, so zu tun als bemerkte ich das gar nicht, so muss ich doch gestehen, dass ich mitten im Klischee immer wieder mir selbst begegne. 

Gestern Abend hat sich bei uns spontan Besuch angekündigt. Eine gute Freundin war kurzfristig in der Stadt. Wir kennen uns seit Jahren, haben miteinander in der Zeitrechnung vor den Kindern gemeinsam zu viel getrunken, mit Heidi und den Määäääädcheeeeen in der Model-Villa abgehangen, Sport gemacht, unsere Leben geteilt. Meine Freundin ist einer der lustigsten, selbstironischsten und direktesten Menschen, die ich kenne. Gepaart mit einer gewissen Schusseligkeit ist sie wie wandelnder Slapstick. Deshalb frage ich mich, warum ich ausgerechnet bei ihr in die Fassaden-Falle getappt bin. 

Aberwitzige Fantasie

Als sie ihren Besuch ankündigte, spulte sich an den Innenwänden meines Großhirns folgender Film ab: Wir sitzen entspannt und lachend gemeinsam mit den Zwillbos auf dem Fußboden. Die Kinder spielen um uns herum, sind niedlich und lustig und bester Laune. Wir trinken Kaffee und meine Freundin denkt sich, wie gut ich doch alles hier im Griff habe. Meine Haare sehen toll aus. 

Kommen wir zur Realität. Ich bin müde. Mir fehlt Schlaf, weil ich unserem Zweitgeborenen in der vergangenen Nacht die Flasche verweigert habe, woraufhin er mir zwei Stunden Schlaf verweigert hat. Meine Haare sind…da…, aber immerhin bin ich geduscht, weil der Mann etwas später aus dem Haus gegangen ist. Ich bin müde. Die Zwillbos haben drei Stückchen Marmeladenbrot gegessen und dann mit wissenschaftlichen Studien über Konsistenz und Klebevermögen ihres Frühstücks im Haar des Bruders begonnen. Schon seit Tagen ist es Pepe außerdem eigentlich nicht recht, wenn ich ihn irgendwo absetze. Oder mich. Er hat es nicht so gerne, wenn ich mir einen Kaffee kochen möchte, dass Brot erst geschmiert und Mittagessen erst gekocht werden muss. Und warum müssen Mütter überhaupt mal zur Toilette?! Da hat doch die Natur mal wieder gepennt! Ich möchte mit meiner Schilderung zum Ausdruck bringen, dass der eigentlich noch junge Tag schon ganz schön an mir gezehrt hat. Aber hey, gleich sind wir alle fröhlich!!! 

Realitätsnahe Abbildung einer Zwillingsmutter.

Für gewöhnlich begrüßen die Zwillbos Besucher mit lauten, fröhlichen „Hi!!!“-Rufen am Türgitter. Das ist ziemlich lustig und niedlich. Das haben auch schon andere Menschen gesagt, die nicht ihre Mutter sind. Heute hingegen ist der eine damit beschäftigt, seine Zahnbürste in der Erde der Zimmerpalme zu versenken. Ich schrubbe gerade halbherzig meine eigenen Zähne, während Pepe misstrauisch durch das Gitter späht. Er bleibt auch im Klammermodus, als unser Besuch in die Charmeoffensive geht, und auch Mads ist für seine Verhältnisse ziemlich zurückhaltend. Also kein lustiger Auftritt. Schade. 
Während ich versuche, meiner Freundin einen Kaffee zu servieren, kann sie zumindest einen Eindruck davon gewinnen, wie es ist, wenn mindestens ein Kind hier einen Nervenzusammenbruch erleidet, nur weil ich mich erhebe. Aber Mütter erwerben ja nicht umsonst im ersten Lebensjahr ihrer Kinder die elterliche Kernkompetenz, alles einhändig zu erledige. Auch mit elfeinhalb Kilo im Arm ist das kein Problem. Kaffee also. Ich fühle mich gestresst. Dabei möchte ich doch entspannt sein. Ich bin müde. Ich freue mich. Ich merke, dass wir uns viel zu selten sehen. Ich versuche zuzuhören und zu erzählen, aufzunehmen und nachzufragen, während sich die Zwillbos gegenseitig von meinen Knien schubsen und darum streiten, wer der mütterlichen Körpermitte am nächsten sein darf. 

Platzwunden vermeiden

Irgendwann tauen die Kinder auf. Und während wir uns auf den neusten Stand der Dinge bringen möchten, möchten die Zwillbos lernen, die Küchenstühle zu besteigen und von da aus auf den Tisch zu klettern. Warum können sie das nicht wann anders machen? So in 16 Jahren würde es mir passen. Denn wenn man noch nicht lange auf Küchenstühle klettert, neigt man dabei zu Unfällen. Wir versuchen also, uns zu unterhalten und Platzwunden so wie Tobsuchtsanfälle zu verhindern. Bei den Kindern. Sehr entspannt. 

Ich weiß, dass ich besser aussehe als ich mich fühle, weil ich schon früh morgens tief in den Rougetopf gegriffen habe. Normalerweise sehe ich um 8.30 Uhr anders aus. Warum mache ich das nur? Ich will das eigentlich gar nicht. Also das Vortäuschen falscher Tatsachen. Und bei meiner Freundin muss ich das auch nicht. 

Ich weiß gar nicht mehr, warum Pepe schließlich anfängt zu brüllen. Vermutlich, weil ich seinem Bruder die Windel wechseln und dazu den Raum verlassen muss. Es ist jedenfalls ziemlich laut und irgendwie bin ich sauer. Sauer weil es so laut und so anstrengend ist. Weil er nicht aufhört zu weinen, obwohl ich ihn auf den Arm nehme und ihm den Schnuller gebe. Obwohl ich zur Toilette gehe und ihn mitnehme. Und ihn nicht auf den Boden setze [ja, das geht, aber ich sag nicht, wie]. 

Ich schimpfe und fühle mich schlecht

Wir wollen meine Freundin, die entspannt und lustig wirkt, noch ein Stück begleiten und ziehen gemeinsam die Kinder an. Besser gesagt, zieht sie Mads an, während ich versuche, Pepe daran zu hindern, sich nur hysterisch nach hinten zu werfen. Er nimmt von jeglicher Kooperationsbereitschaft Abstand. Ich schimpfe und fühle mich gleichzeitig schlecht dabei. Jetzt schimpft die auch noch mit dem weinenden Kind. Sieht doch jeder, dass sie total überfordert ist. Gemein, diese Stimme, mit der man sich selbst zuweilen kommentiert, oder? Irgendwie schaffen wir es in die Klamotten und auf die Straße. Ich bin müde. Ich atme. Kühle Winterluft. Mir tut es weh, auf mein Kind wütend zu sein, auch wenn ich weiß, dass ich selbst nur ein Mensch mit begrenzten nervlichen Ressourcen bin und diese Gefühle vollkommen normal sind. 

Wir bringen meine Freundin noch zur Straßenecke. Dort steigt sie zu ihrer Familie ins Auto. Um vermutlich in wenigen Stunden in ähnlicher Verfassung wie ich selbst zu sein. Und mich trifft die Erkenntnis. Kinder crashen einfach deine Pläne. Deine Ideale. Deinen Perfektionismus. Deine Vorstellungen und deine Erwartungen, die du unbewusst an sie und dich stellst. Sie machen da nicht mit. Und dann kannst du dich entscheiden. Blickst du in den Spiegel, den sie dir vorhalten, und nutzt die Chance, die sie dir bieten? Die Chance zu erkennen, dass du da gerade Humbug verzapfst. Die Chance zu erkennen, was genau dich in Wirklichkeit fertig macht und warum. Dass es dich gerade viel mehr stresst, nicht so souverän zu erscheinen wie du gerne möchtest, als es ihre Laune und ihre Lautstärke tun. Wem will ich eigentlich was beweisen? Meiner Freundin muss ich nichts vormachen. Sie ist selbst Mutter. Vielleicht geht es dabei vielmehr um mich selbst. Vielleicht muss ich mir beweisen, dass ich alles im Griff habe, wohlwissend, dass das eine Utopie ist. 

Und er läuft doch – der aufrechte Gang 2.0

Eine Mutter kennt ihre Kinder einfach in- und auswendig. Hmh. Ist klar. Vorab: Das ist kein Artikel, der mit Mythen der Elternschaft aufräumen möchte – so denn da viele existieren. Doch ich hätte schwören können, der erstgeborene Zwillbo braucht noch ein bisschen, bis er seine ersten freien Schritte macht. Zu kippelig sah das bislang alles noch aus. Selbst an der Hand lief er noch so, als bestünden seine Schienbeine zu einem hohen Anteil aus Gummi. 

Halbe Pirouette 

Er wollte. Keine Frage. Fleißig stemmte er sich aus dem Vierfüßerstand hoch – wobei er immer ein wenig aussah wie ein Sumo-Ringer kurz vorm Angriff. Wenn er es schaffte, aufrecht stehend die Balance zu finden, setzte er schnell ein Füßlein nach vorne. Allerdings funktionierte das eine zeitlang nur mit dem rechten Fuß, so dass Pepe eine staksige halbe Pirouette drehte, und dann wieder auf dem umwindelten Hintern landete. Aber nach freien Schritten sah das alles noch nicht aus. 

Doch Irren ist mütterlich [Irresein im übrigen auch]. Am Sonntag hat das Kind seine persönliche Zeitenwende eingeläutet. Plötzlich? Zumindest an seiner Stimmung hätte ich es ablesen können. War doch sein Bruder schon vor dem Erreichen der hochentwickelten Mobilität unterirdisch gelaunt. Für jedes weinerliche „Mama“ dieser Tage zehn Cent, und ich wäre eine gemachte Frau. Ich darf mich derzeit quasi nicht vom Fleck bewegen – zumindest nicht ohne mindestens ein Kind auf dem Arm. Am liebsten würden beide Zwillbos täglich stundenlang durch die Gegend getragen werden. Vorzugsweise von mir. Nach Feierabend aber auch von ihrem Vater, wenn es gar nicht anders geht. Ich denke derzeit darüber nach, bald an einem internationalen Wettbewerb für sehr muskulöse Menschen teilzunehmen und mit den zu erwartenden Siegesprämien meine Konto etwas auf Fordermann zu bringen.

Doch zurück zu Sonntag. Ich bin müde. Ich bin erschöpft. Meine Ohren fiepen, weil so viel in sie hinein gebrüllt wurde. Wir sitzen, wie so oft, auf dem Fußboden in der Diele. Im Prinzip könnte man während der Kleinkinderzeit seine Sitzmöbel getrost untervermieten oder gemeinnützigen Organisationen zur Verfügung stellen. Tagsüber wird es hier eh‘ nicht geduldet, dass ich unbekindert auf Stühlen oder Sofas sitze, da sitze ich der Einfachkeit halber auf dem Fußboden. Und abends sind wir so müde, dass wir schnellstens schlafen gehen. 

Mit Schwung die Schwerkraft besiegen

Wir sitzen also auf dem Dielenboden und pellen die Jungs aus diversen wärmenden Schichten. Der zweitgeborene Zwillbo steht auf und stakst gemächlich zur Spielzeugkiste. Irgendwie möchte Pepe die Krabbelei heute Abend nicht auf sich sitzen lassen. Er stemmt sich mit aller Kraft aus den Knien nach oben, streckt einen Arm in die Luft, nutzt den Schwung, um die Schwerkraft zu überlisten und wirft sich vorwärts. Offenbar hat es in den vergangenen Tagen einige Synapsen-Neuschaltungen gegeben, denn auf einmal weiß auch der linke Fuß, wie er vorwärts kommt. Es reicht für drei Schritte, dann bremst das Kind mit den Händen auf dem Fußboden. Doch irgendwas ist in ihm passiert. Es lacht lauthals und versucht es erneut. Unermüdlich. Pepe landet unzählige Male auf der Nase, doch am Ende rennt er sechs Schritte in meine Arme. Und dann ist es doch ein bisschen so wie in meiner Phantasie. Wir lachen und sind glücklich. Weil unser Sohn so glücklich ist. 

Ich bin mir sicher, dass diese kleinen Gummibeine motorisch eigentlich noch gar nicht weit genug sind, um laufen zu können. Doch ihr Inhaber will es unbedingt. Weil sein Bruder es kann. Und deshalb macht er es. Nicht einfach, sondern mit aller Kraft, mit allem Mut und mit aller Willensstärke. Er zahlt dafür mit ein paar Beulen, hier und da einem Biss auf die Lippe. Und wir sitzen hier [auf dem Fußboden] und können es eigentlich nicht fassen, dass die beiden Kahlköpfe von letztem Jahr nun hier auf zwei Beinen stehen und vom Tisch mopsen, was nicht niet- und nagelfest ist…

Die zweifelhafte Einstellung der Zwillbos zum Laternenfest

Ich bin ja manchmal ein bisschen naiv. Auch was meine Naivität betrifft, bin ich ein bisschen naiv. Nämlich insofern ich mich oft für viel zu hartgesotten halte, um naiv zu sein. Doch die Realität sieht oft anders aus. Zum Laternenfest wollten wir gehen. In einem Park hier in der Nähe. Einem sehr großen Park. Einem ehemaligen Bundesgartenschaupark. Ich hatte gewisse Vorstellungen davon [ähnlich romantisch wie von den ersten Schritten der Zwillbos]. 

Nun gut, jeder weniger naive Mensch könnte sich vorstellen, dass zu so einem zentralen öffentlich Schauplatz viele, viele laternenaffine Leute kommen. Ich nicht. Ich sah vor meinem inneren Auge ein recht überschaubares Grüppchen von Eltern, Großeltern und Kindern, ein paar Kinderwagen, einige Laternen, ein dickes weißes Pony und einen St. Martin oder eine Martina, die ihren Mantel teilt [ich hätte gleich wissen müssen, dass Zwillinge sowas langweilt, die müssen ja eh‘ schon pränatal ziemlich viel teilen. Und sind sie dann erst geboren, nimmt das kein Ende]. 

Wir gingen mit unseren Laternen.

Wir waren eigentlich ganz gut ausgerüstet. Vorbildlich hatten wir in der Krabbelgruppe mit den Kindern zwei Laternen gebastelt. Zumindest haben die Zwillbos ein paar halbwegs motivierte Farbstriche auf dem Pergamentpapier platziert, bevor sie dazu übergingen, die Wachsmalstiften zu essen. Aber der Mann hatte ziemlich gute Arbeit geleistet, und die Bufdi klebte alles hübsch zusammen. 

Kurz vor dem Abmarsch stellten wir fest, dass lediglich ein Stab elektrisch nicht intakt ist, so dass nur ein Exemplar aus dem Bestand meiner Schwester entliehen werden musste. Guter Schnitt für uns. Sogar eine kleine Lichterkette hatte der Zwillbo-Vater liebevoll um den Kinderwagenlenker drapiert. In meiner Verantwortung lag das Vorhandensein von Batterien, und da uns am Park auffiel, dass nur eine einzige fehlte, verfügten wir immerhin über zwei Leuchtmittel. Ziemlich guter Schnitt! 

Hunderte von Menschen 

Mads hatte eigentlich schon auf dem Hinweg keine Lust mehr, im Wagen zu sitzen, und machte daraus keinen großen Hehl. Akustische Unterstützung bekam er aus dem Zwillingskinderwagen unserer Freunde, auch hier hatte eine Tochter wenig Lust auf St. Martin. Im Park selbst war es…voll. Hunderte von Menschen schoben sich dort Zentimeter für Zentimeter über die Wege. Kleine Menschen, große Menschen, Menschen mit Laternen, Menschen mit und in Kinderwagen, Menschen mit Fackeln und beneidenswerte Menschen mit Glühwein. 

Der leichte Abendwind trug Klänge einer Blaskapelle herüber, die geschätzt drei Kilometer von uns entfernt war. Ich persönlich fand das nicht so schlimm, doch es gab Aufschluss darüber, wo sich der Anfang des Zuges befand. Und das Pferd. Und Martina. Die Nachkommen wurden indes immer unleidlicher in ihren Wagen. Irgendwie hatte ich erwartet, der Anblick von Laternen würde eine schiere Hysterie der Begeisterung auslösen. Doch offenbar gruselte er die Kinder eher. 

Laternenersatzverkehr.

Wir haben uns dann querfeldein zum nächsten Ausgang durchgeschlagen, dort noch eine Packung Wunderkerzen abgefackelt, die ich nachmittags beim Entrümpeln der Küchenschublade gefunden hatte, und haben die quengelnde/halbschlafende Meute heim kutschiert. 

Geschichte haben wir mit unserem Laternen-Debüt nicht unbedingt geschrieben. Aber immerhin waren alle für anderthalb Stunden an der frischen Luft. 

Evolution für Einsteiger: Der aufrechte Gang

Irgendwie habe ich als Mutter oft die Vorstellung, dass es Pamperswerbung-artige Momente sind, in denen beim Nachwuchs eine neue Fähigkeit durchbricht. Weichzeichner ist definitiv von Nöten, ich trage saubere Kleidung, die eher an einen „Ich als Zahnarztfrau empfehle“-Spot erinnert denn an Mutterschaft, eine sanfte Sommerbrise spielt mit den langen, halbdurchsichtigen Gardinen und eins meiner Kinder tapst mit niedlichen Schritten in Zeitlupe über den gebohnerten Echtholzparkettboden in meine ausgestreckten Arme. Ich jubele dabei und lache übers ganze Gesicht. Der Mann und ich fallen einander in die Arme. Wir küssen das Kind. Alle sind einfach nur glücklich und irgendwie wurde auch alles durch Zauberhand gefilmt und von einer der Dramaturgie angemessenen Musik untermalt. 

Die Realität sieht anders aus

Vielleicht mag es daran liegen, dass ich weder Zahnarztfrau bin, noch dass wir lange, halbdurchsichtige Gardinen oder einen Echtholzparkettboden haben. Aber, die Realität sieht stets anders aus. Zwillbo Mads hat seine ersten Schritte gemacht. Und zwar an einem Tag, der mich fast zum Verzweifeln bringt. Die Stimmung der Kinder ist unterirdisch, Mads durchlebt einen lautstarken Wutanfall nach dem nächsten, ich kann ihm kaum etwas recht machen. Der Bruder ist ebenfalls im Quengelmodus und ich stehe kurz davor, dem Mann mitzuteilen, dass er leider einfach nicht berufstätig sein könne, da es mir nicht möglich sei, die liebevolle Betreuung unseres Nachwuchses allein zu gewährleisten. 

Mama hatte schon bessere Tage.

 

Ich bin gerade im Begriff, ihm eine Sprachnachricht zu schicken [meine bevorzugte Kommunikationsmöglichkeit seit der Elternschaft. Aus Gründen.]. Nein, nicht mit der Bitte, nach Hause zu kommen – gleichwohl mir eigentlich danach ist. Eine Anordnung möchte ich ihm schicken, eine Anordnung, noch Zucchini aus dem Supermarkt mitzubringen. Ich sitze wie so oft auf dem Küchenfußboden und versuche, die Zwillbos mit adäquater Unterhaltung davon abzubringen, mein Nervenkostüm durch lautstarkes Gemotze in Schutt und Asche zu legen. 

Wirbelsturmartiger Wutanfall

Pepe ist – ebenfalls wie so oft – kaum von meinem Schoß wegzubewegen. Mads steht einen Meter von uns entfernt vor dem Küchenschrank, der soeben noch einen wirbelsturmartigen Wutanfall bei ihm hervorgerufen hat. Denn die olle Mutter hat einfach den Riegel der Kindersicherung vor die Türen geschoben. Wenn man dann nicht einfach so Hirse, Reis und Nudeln ausräumen und auf dem Fußboden verteilen darf, ist das schon mal ein Grund zu brüllen, bis man fast blau anläuft. Kann ich nachvollziehen. Komplett. 

Da steht das zweitgeborene Zwillingskind also und wendet mir den Rücken zu. Und noch während ich beginne, den Einkaufsauftrag in das Mobiltelefon zu sprechen, nimmt es die kleine Hand vom Schrank und tapst los. Von mir weg. Ganz langsam und vorsichtig. Einen Fuß vor den anderen. Links, rechts, links. Bis zu dem Wort „Zucchini“ komme ich gar nicht, ich kreische einfach drauf los. Auf etwas wackeligen Beinen bleibt mein Kind stehen, dreht sich halb zu mir um und sieht mich an, als wolle es sich ob meines Geschreis meiner geistigen Gesundheit versichern. Dann lässt es sich vorsichtig auf den Popo plumpsen und krabbelt davon. 

Weil ich es gar nicht fassen kann, muss ich erstmal dem Mann noch sieben aufgekratzte Sprachnachrichten schicken. Und meiner besten Freundin. Und meiner anderen guten Freundin. Und meiner Schwiegermutter und dem halben Telefonverzeichnis in meinem Handy. Dann geht’s etwas. Den Rest des Nachmittags wiederholt sich das Schauspiel zwar nicht, aber der Zwillbo fährt seine kleinen Ziegenbockhörnchen der vergangenen Tage ein und ist plötzlich wieder ausgeglichen wie eh und je. Sie müssen ihn irgendwie gejuckt haben, diese ersten Schritte. 

Seitdem setzt Mads immer wieder mal den einen oder anderen Fuß voreinander. Er ist da nicht so der übermütige Typ, aber das dachten wir uns bereits. Zwillbo Zwo ist in Sachen Motorik zwar ziemlich fit. Aber er ist auch sehr bedächtig. Er lässt sich nicht zu etwas hinreißen, worin er sich nicht komplett sicher fühlt. Das war auch schon beim Sitzen, Krabbeln und Hinstellen so. Das bedeutet, dass er ausgesprochen wenig stürzt. Sein Bruder übernimmt das für ihn mit. Während der nämlich noch mit ziemlich zittrigen Beinchen frei steht, sieht er nämlich zu, sich sofort aus dem Aufrichten nach vorne zu werfen. Schwung und Gleichgewicht reichen oft für einen Schritt, dann siegt bislang noch die Schwerkraft. Wo Mads seine Bewegungen mit Bedacht vollzieht, könnten wir Pepe phasenweise an den Arnika-Tropf hängen. 

Ich wäge mich aber nicht in der trügerischen Sicherheit, dass Mads mich mit seiner neuen Fähigkeit nicht bald ziemlich schnell werden lässt. Denn in Sachen Halunkenschaft legt er bislang oft die größere Portion Wagemut an den Tag. So oder so: Der aufrechte Gang der Zwillbos wird uns in ein neues Zeitalter der Zwillingselternschaft bringen. Es ist wie immer müßig, über Vor- und Nachteile zu spekulieren. Sorgen mache ich mir darüber keine, schließlich wächst die Zwillingsmutter an sich mit der Abenteuerkompetenz ihrer Kinder. 

Lebensverändernde Maßnahmen

14 Monate lang waren wir ganz, ganz viel zu viert. Der Zwillbo-Papa hatte sich einst, noch vor Geburt der Doppelkinder, aufgemacht, nach einigen Job- und Arbeitsjahren eine Hochschule zu besuchen. Das schmälerte auf der einen Seite den Inhalt unserer Haushaltskasse – obschon er auch währenddessen noch viel gearbeitet hat. Doch es brachte uns als Familie ein unbezahlbares Gut: Zeit. So hatten wir viele Monate gemeinsam mit den Kindern. 

Die Zeit hat uns zusammengeschweißt 

Das klingt nach Familienromantik. Doch insbesondere in den ersten Wochen und Monaten weiß ich gar nicht, wie ich mich kräftemäßig über Wasser gehalten hätte, hätte er mehr als das eine Seminar besucht. Klar, es wäre irgendwie gegangen, es geht ja anderswo auch. Aber der Preis wäre hoch gewesen. Und es hat uns vier ziemlich zusammengeschweißt. 

Im Frühling musste der Doppelvater schließlich schriftlich unter Beweis stellen, dass er das drauf hat mit dem Akademikersein. Da war er schon tagsüber viel auswärts. Doch kam es nicht immer ganz genau drauf an, ob er um 8 Uhr anfing zu schreiben oder um 10 Uhr. Oder eben auch mal gar nicht. Hauptsache, die Bachelor-Arbeit war fristgerecht fertig. Ich wusste also, das klappt hier mit mir und dem Himmelfahrtskommando. 

Nach dem Abschluss ging es dann irgendwie ratzfatz, der Mann bekam eine Stelle. Tusch. Drei Wochen betrug schließlich unser gemeinsamer Countdown. Drei Wochen, in denen wir gemeinsam noch viel vor hatten. Doch an vielen Tagen kam das Leben dazwischen. Das erkältete Leben vor allem. Und das 14-Monate-alte Leben, das seit neuestem entdeckt, dass es Eigensinn, Wut und einen eigenen Willen hat. Eh‘ wir uns versahen war es Montagmorgen. DER Montagmorgen. „Du gehst jetzt also zur Arbeit?“ Ja. Ging er. 
Viele Male habe ich alleine mit den Zwillbos gefrühstückt und den Tag verbracht. Heute habe ich mich dabei trotzdem anders gefühlt. Ein wenig wie beim freihändig Fahrradfahren. Oder beim Eierlaufen. Aber es war gut. Es war so entspannt, wie es mit 14 Monate alten Zwillingen sein kann. Denke ich. Erfahrungsgemäß ist unser Nachwuchs sowie kooperativer, wenn nur ein Erziehungsberechtigter zugegen ist. 

Schlafmangel ist mein größter Feind

Ich bin ganz froh, dass diese neue Zeit nun angebrochen ist. Dann muss man ihr nicht länger entgegen sehen, sondern kann sie direkt leben, sie angehen. Wir sind ganz gut gewappnet. Denke ich. Wir haben ein ziemlich geregeltes Tages- und Wochengerüst, das trotzdem Spielraum und Freiheiten lässt. Der Mann und ich schätzen Routinen. Sie geben uns allen Sicherheit. Trotzdem darf man ausbrechen. Wenn er nun von Montag bis Freitag arbeiten geht, ist das auch eine Routine. Wir werden uns mit ihr zurechtfinden. Denke ich. Wir haben ein bisschen darauf hingearbeitet. Trotzdem wir viel zu zweit für die Zwillbos da sein konnten beziehungsweise uns abgewechselt haben, habe ich auch vieles allein mit den Jungs unternommen, unseren neuen Alltag immer wieder geübt und getestet. Mein größter Feind ist der Schlafmangel. Ich hoffe inständig auf etwas Nachtruhe…

Jetzt ist es ernst geworden. Ich bin gespannt. Alles bleibt anders.

Die Utopie vom Gleichgewicht

Während sich der eine Zwillbo seine ersten Backenzähne herausbrüllt und -weint, sich an meine Beine klammert, auf die Finger beißt, sich verzweifelt hin und her wirft und ich versuche, ihn irgendwie zu halten und ihm zu vermitteln, dass ich bei ihm bin und ihn nicht allein lasse, turnt der andere Zwillbo hinter mir über das Sofa. Er ist vergnügt, seine Augen funkeln unternehmungslustig. Er klettert die Lehne hinauf, streckt sich oben lang darauf aus, setzt sich wieder auf, klettert hinunter, lehnt sich gegen ein Sofakissen, krabbelt wieder los, steigt auf den Fußboden hinab, streichelt etwas grobmotorisch seinen Bruder und erklimmt das Ruhemöbel erneut. 

Bei keinem bin ich so ganz

Momente wie diese zehren an mir. Sie sind laut und anstrengend. Ich kann dem einen Kind den Schmerz weder nehmen noch erklären. Ich kann mich nicht ausschließlich um ihn kümmern, denn da ist noch ein anderes 14-Monate-altes Kleinkind. Und diesem anderen kann ich nicht aus vollem Herzen applaudieren für seine Kletterkünste. Im Grunde genommen kann ich überhaupt nicht applaudieren, weil ich ja mit dem einen Arm den Bruder halte, und den anderen sicherheitshalber in der Nähe des Couchbesteigers lasse, falls er mit dem Fuß in eine Sofaspalte gerät. Ich kann also weder richtig gut auf ihn aufpassen, noch mich der kontemplativen Betrachtung seines kindlichen Spiels widtmen. Für Kontemplation ist es eh‘ viel zu laut hier. 

Ich kann bei keinem von beiden so ganz sein. Indem der erstgeborene Zwilling so unglaublich viel Aufmerksamkeit und Nähe einfordert, wirkt der zweitgeborene oft ausgeglichen und fröhlich. Von seinen identitätsbildenden Wutanfällen einmal abgesehen. Doch dazu ein anderes Mal mehr. An Abenden, die auf solche Tage folgen, frage ich mich, ob ich Mads gerade überhaupt gerecht werde. Gerecht werden kann. Ob ihm etwas fehlt. Nein, nicht etwas, ob ich ihm fehle, meine Aufmerksamkeit. Kann ich mich darauf verlassen, dass er sie einfordern würde? Kann ich auf seine Zufriedenheit vertrauen? 

Ewiger Balanceakt

Ich bedaure nach solchen Tagen des Trostspendens, Schmerzstillens und der inneren Zerreißprobe, dass ich kaum Gelegenheit und Ruhe hatte, Mads beim Klettern, Turnen und Erkunden zu beobachten, ihn anzufeuern. Dann nehme ich mir vor, es am folgenden Tag ein bisschen anders zu machen. Aber es bleibt wohl ein ewiger Drahtseilakt. Und so balanciere ich. Zwischen den Zwillbos, dem Mann und mir selbst. 

Mamikreiselaufzusammenbruch

Es gibt im Internet eine An- und Verkaufsplattform, an der kaum eine Mutter vorbeikommt. Mamikreisel. Schon der Name ist ja eigentlich wortgewordenes Grauen. Aber die wenigsten Flohmärkte sind zwillingskinderwagentauglich, und offen gestanden mangelt es mir persönlich absolut an Frühaufstehtauglichkeit, um irgendwo morgens um 4 Uhr meinen Tapeziertisch mit Babyklamotten zu errichten [was unsere Kinder allerdings nicht stört]. 

Unterhalb der Höflichkeitsgrenze

Wie so oft ist das Netz eine scheinbar bequeme Alternative. Scheinbar. Denn diese Plattform macht mich wahnsinnig!!! Was ist denn bitte mit den Leuten los?! Wirklich vielen Menschen dort – nein, sagen wir Müttern, denn mit Vätern habe ich dort noch nicht das Vergnügen gehabt [vielleicht tummeln die sich bei Papikreisel und verhökern Bohrmaschinen]  – gehen selbst ein Minimum an Umgangsformen und Etikette ab. Es muss ja noch nicht mal ein „Guten Tag“ oder ein „Hallo“ sein. Aber „Hi“ beispielsweise hat nur zwei Buchstaben, die sind doch schnell getippt. Denkste!!! 

Ich muss dort Konversationen des Grauens ertragen. Wenn schon nicht genug Zeit [oder Kenntnis. Entschuldigung, da bin ich kein Kumpel] für einigermaßen korrekte Rechtschreibung und das Bilden von Drei-Wort-Sätzen ist, dann doch wenigstens für Begrüßungs- und Abschiedsformeln! Nein. Nicht beim Mamikreisel. Oder zumindest nicht oft. 

Artikelanfragen beginnen mit „Paypal?“ Soweit ich weiß, ist das ein Online-Bezahlsystem. Aber vielleicht ist es auch ein fernöstlicher Gruß? Ich weiß es nicht! Zumeist schlucke ich meinen Ärger über solche Unhöflichkeiten herunter und antworte freundlich in ganzen Sätzen – ja, ich nehme mir Zeit für Subjekt, Prädikat und Objekt. Und weil ich so eine hoffnungslose Spießerin bin, lege ich sogar noch ein „Hallo“ und „Viele Grüße“ oben drauf. Obwohl mir eher nach einer von Unanständigkeiten gespickten Maßregelung wäre. 

Besonders beliebt sind bei mir auch jene Mütter, die ein spottbilliges, ungetragenes Paar Puschen noch für weniger als den Versandpreis haben möchte. Ich steh echt nicht auf Feilscherei. Ich mach das selbst nicht gerne, liegt mir irgendwie nicht. Dennoch komme ich bei freundlichen, angemessenen Angeboten und Artikelpaketen den Damen gerne etwas entgegen. Aber ich war ein paar Mal schon drauf und dran, meine Gegenüberin um ihre Kontodaten zu bitten, damit ich ihr zusätzlich zu den Klamotten noch ein bisschen Geld zukommen lassen kann [ich würde lieber Hirn und Umgangsformen senden, aber dafür habe ich noch keinen Dienst gefunden]. 

Oft setzen derart dreiste Muddis noch einen oben drauf, indem sie sich auf ein adäquates Gegenangebot hin einfach gar nicht mehr melden. Dabei sollte ich Verständnis haben, denn solche Menschen kostet es vermutlich circa anderthalb Stunden, einen Satz wie „Danke, dann schaue ich mich lieber anderweitig noch um“ zu formulieren. 


Meine Güte! Jedes Mal nehme ich mir wieder vor, die Finger von dieser App zu lassen, die so viele dusselig-dreiste Menschen vereint und mich und mein Zeug doch zum Trödelmarkt zu schleppen. Aber dann siegt wieder die Bequemlichkeit. 

Leider vergesse ich über solcherlei Ärgernisse immer die wirklich netten, bemühten Frauen, die auf dieser Plattform kaufen und verkaufen – denn auch die gibt es dort. 

Ich nehme mir also weiterhin vor, demnächst mal die Tonnen an Zwillbo-Textilien, die unseren Dachboden verstopfen, einzuladen, und auf einem Trödelmarkt zu verscherbeln. Oder sie zumindest so zu dezimieren. Und weil mein Gehirn mich eh stets austrickst, werde ich mich immer wieder dabei erwischen, mich auf dem Weg zur Post halb schwarz darüber zu ärgern, dass ich mir diesen Kreisel-Koller überhaupt antue…

Es ist aus und vorBrei! 

Kinder sind nichts für mich. Naja, oder sagen wir mal, sie sind nichts für den einen Teil meines ambivalenten Wesens. Für den Teil, der nicht so wahnsinnig gerne Veränderungen anstrebt und durchlebt. Aber wenn es hier mal Veränderungen hagelt, dann seitdem die Zwillbos auf der Welt sind. Wenn also jemandem mal ganz schwer nach Tapetenwechsel ist, der könnte Kinder bekommen, beispielsweise Zwillinge. Die sorgen schon dafür, dass man sich nicht all zu bequem in seinen Gewohnheiten einrichtet. Das Stichwort Tapetenwechsel bringt mich zurück zum eigentlichen Thema. Denn wenn man im Besitz knapp 14 Monate alter Zwillinge ist, kann man tatsächlich allmählich an Renovierungsarbeiten denken – insbesondere im Essbereich der Wohnung. 

Unsere Nachkommen haben vor ein paar Wochen ohne unsere Einwilligung begonnen, ihre Essgewohnheiten umzustellen. Brei? Das ist ganz klar eine Angelegenheit für Babys. So böse bin ich darum im Grunde nicht, schließlich hat es immer ein wenig mein mütterliches Ego gekränkt, dass die Herrschaften Glaskost lieber mochten als mein politisch korrekt gedünstetes Gemüse. Wenn sie denn nun zuvor Gemüsebrei verzehrten – egal, ob aus mütterlicher Herstellung oder dem Glas – dann bitte sehr den allerfeinst pürierten für vier Monate alte Minibabys. Ich habe tatsächlich schon Gläschenbrei mit Pürierstab nachbearbeitet, weil die Zwillbos alles, was nur annähernd an Stückchen erinnerte, entweder von vornherein verweigert oder sich beim Füttern aus den Mündern gepult haben. Keine sonderlich erfreuliche Angelegenheit. Ich verabscheue ja bis heute Joghurt mit Stückchen, ganz eventuell besteht also eine familiäre Disposition. 

Selbst isst der Zwillbo.

Aber auch Gemüse, so cremig wie Schlagsahne, wurde hier zuweilen boykottiert. Zumindest, wenn ich es gedünstet und püriert habe. Mads hat meistens ein paar Höflichkeitslöffel genommen, wohingegen Pepe in der Regel den Kopf angesichts des Löffels so vehement zur Seite gedreht hat, als würde ich seine menschliche Integrität mit diesem Fraß beleidigen. Währe er dazu in der Lage gewesen, hätte er ganz sicher Amnesty International informiert. Oft konnte ich die Jungs austricksen, indem ich ihnen erst ein bisschen Obstmus gefüttert und dann einige Löffel Gemüse untergejubelt habe und so weiter. Möglicherweise hatte ich damit Erfolg, weil die frisch verknüpften Synapsen etwas länger benötigten, um den Betrug zu registrieren. Irgendwann waren die Jungs aber auch für diese hinterhältige mütterliche Methode zu schlau. 

Zwillbo Mads zeigte schon vor einiger Zeit, dass ihm eigentlich alles schmeckt, was wir essen – insbesondere Nudeln mit Pesto. Und wir essen nunmal oft Nudeln mit Pesto. Vollkornnudeln immerhin, aber es ist so. Pepe hingegen schätzte an Nudeln insbesondere ihre besondere Eignung als Wurfgeschoss. Als die erste Spirelli restlos in seinem Mund verschwand und dort blieb, musste ich mir die Augen reiben und mich kneifen lassen. Pepe fand feste Nahrung also weitgehend unnötig, aber Mads wollte nichts mehr auf den Löffel bekommen, sondern selbst zupacken. 

Keine Lust auf Veränderung!

Mich hat diese Phase der eintretenden Breiverweigerung zunächst mal ziemlich gestresst. Bei der Umstellung auf Flaschennahrung und der Beikosteinführung war es allerdings genauso, wie gesagt, Veränderungen… Ich hatte keine Lust. Ich hatte keine Lust, zwei verschiedene Essgewohnheiten zu bedienen und obendrein noch über das elterliche Essen nachzudenken. Ich hatte keine Lust, auf hungrige Kinder, die sich nachts an Milch satt trinken. Ich hatte keine Lust, mich mit Familienkost auseinander zu setzen und mich darüber zu informieren, was Kleinkinder denn nu‘ zu sich nehmen dürfen und sollen. 

Ich hatte keine Lust, mir nach nur wenigen Monaten der Breiherrschaft schon wieder ein neues System drauf zu schaffen. Ich war schließlich so froh, als ich endlich geschnallt hatte, wann denn bitte schön welcher Brei mit oder ohne Milch mit oder ohne Fruchtsaft, Fleisch, Obst oder was auch immer wann gereicht werden sollte. Beikost gibt es doch garantiert irgendwo als Bachelorstudiengang! Ich kam mir in diversen Spielgruppen oft vor, wie die schlecht informierteste, desinteressierte Rabenmutter, weil ich wichtigeres zu tun hatte als den Themenabend „Von der Beikost an den Familientisch“ zu besuchen. Schlafen beispielsweise. Ist aber vielleicht auch so’n Zwillingseltern-Ding? 

Man muss sich das mal überlegen: Binnen weniger als zwölf Monate sind wir vom Stillen auf Zwiemilch auf Beikost auf Beikost und Flaschennahrung und nun auf die sogenannte Familienkost umgestiegen! Und das, wo ich persönlich seit Äonen immer gleich gekocht habe: Zwiebeln und Knoblauch andünsten, Gemüse dazu, Reis oder Nudeln kochen – fertig. 

Mutter, was nun?

Tja, was machst du nun als Mutter? Gläschen öffnen fand ich ja oftmals noch ok. Aber ein Sonnen-Bassermann-Menü für Kleinkinder? Da hört bei mir die Toleranz auf. Aber es hilft ja nichts, die Kinder müssen ernährt werden – und zwar halbwegs anständig, schließlich habe ich in 20 Jahren zu verantworten, worauf ich heute ihre Geschmacksknospen programmiere. Oder dass sie brüchige Knochen haben, weil ich es mit der Kuhmilch übertrieben habe. Oder dassdie Nieren nicht anständig arbeiten, weil ich beim Salz ein Auge zugedrückt habe. Was also tun? Nur wegen des Mittagessens die Kinder doch schon in die Kita schicken? 

Brötchen mümmeln geht immer.


Stattdessen hab ich getan, was wir postmodernen Menschen nun mal als ersten Schritt in allen Lebenslagen tun: Ich habe gegoogelt. Ich habe nach kleinkindgerechten Speisen gesucht. Fündig geworden bin ich beispielsweise bei ekulele. Da auch ich mich vegetarisch ernähre und die Zwillbos verhältnismäßig wenig Fleisch bekommen, fand ich die Ideen dort sehr inspirierend. Und es sollten ja schließlich Gerichte sein, die wir Zwillbo-Eltern ebenfalls essen, denn auf keinen Fall will ich hier noch öfter den Kochlöffel schwingen als ich es durch die ganzen Breimahlzeiten ohnehin schon musste. 

So habe ich mir zunächst einen Grundstock an Essensoptionen zusammengegoogelt, mit dem man für den Anfang ganz gut durch die Woche kommt. Weil ich mich in solchen – neuen – Dingen wirklich gut organisieren muss, hängt fortan eine Liste mit Mahlzeiten an unserem Kühlschrank, die ich in loser Reihenfolge abkoche. Die Liste wird nach Bedarf angepasst. 

Doch das brachte zumindest meinen Erstgeborenen nicht unmittelbar ans Essen. Ich war zudem auch etwas entmutigt, da mich kurz zuvor das gemeinsame Mittagessen bei einer Freundin an den Rande eines Nervenzusammenbruchs gebracht hatte. Die Kinder sollten Kürbis- und Süßkartoffelstückchen essen. Meine Söhne haben das Gemüse geworfen, mir die Löffel aus der Hand geschlagen und lautstark nach etwas in ihren Augen Anständigem verlangt. Ein Möhren-Kartoffel-Gläschen wirkte deeskalierend. Man muss allerdings nicht meinen, dass die Zwillbos selbstgekochten Möhren-Kartoffel-Brei essen – auf gar keinen Fall! 

Niedrigschwellige Kartoffelpuffer

Dennoch nahm ich all meinen mütterlichen Mut zusammen und entschied, fortan keinen Brei mehr zu servieren. Zum Einstieg gab es Kartoffelpuffer – niedrigschwellig und gut mit Apfelmus servierbar. Der Plan ging auf. Mads langte eh‘ erwartungsgemäß zu, und bei Pepe hatten wir ziemlich schnell raus, dass er das allermeiste isst, was man ihm entweder mit Obstmus serviert und/oder auf eine Gabel piekst. 

Nun versuchen wir also, das Mittagessen gemeinsam zu bestreiten. Die Jungs bekommen ein Schälchen und Besteck und dürfen selbst hantieren, während ich beziehungsweise wir im Wechsel ihnen und uns etwas auf die Gabeln spieße. Das läuft oft ganz gut. Nicht für unseren Küchenfußboden, aber für die Bäuche der Jungs. Pepe, der zuvor niemals auch nur ein Stückchen von irgendwas [Brot, Brötchen und Wiener Würstchen ausgenommen] gegessen hat, isst nahezu alles. Sogar manchmal ein bisschen Gemüse. Das muss ich den Herren nach wie vor unterjubeln. Etwa in Form von Kürbis-Gnocchi, Bulgur-Möhren-Frikadellen oder Zucchini-Kartoffelpuffern. Aber es funktioniert. 

Und völlig gegen meine Erwartung macht es mir zum ersten Mal in meinem Leben so etwas ähnliches wie Spaß, mir Mahlzeiten zu überlegen und diese zu planen. Ich habe mir sogar ein Kochbuch gekauft. Auch zum allerersten Mal! Bislang wurde mir derartige Literatur nur von äußerst hoffnungsfrohen Menschen geschenkt. Das meiste davon habe ich weiterverschenkt [entschuldigung], einige Werke, die ich für dekorativ befunden habe, stehen in unserer Küche herum. Nun geschieht also dank der Zwillbos wieder einmal etwas völlig Unerwartetes. Etwas Neues, in das ich hineinwachse und das mir gefällt. Es kann also auch ganz schön sein, zu Veränderungen gezwungen zu werden. 

Von einer Mutter, die nicht loszog, um arbeiten zu gehen

Es war einmal eine Zwillingsmutter. Die hatte zwei Söhne. Nämlich die Zwillinge. Bevor die Kinder das Licht der Welt erblickten, war der werdenden Zwillingsmutter klar, dass sie mindestens für zwei Jahre ihren Beruf an den Nagel hängen würde, um sich der Aufzucht der Jungen zu widmen. 

Die Zwillbos – wie die Zwillinge fortan genannt wurden – wurden geboren und wuchsen ein bisschen heran. Erst einen Monat, dann zwei. Dann drei, dann vier, dann fünf. Die Zwillingsmutter und Ihre Abkömmlinge besuchten Krabbelgruppen und machten viele Bekanntschaften mit anderen Müttern und ihrer Brut. Bis auf die geschichtsträchtigen Augenringe und das eine oder andere elterliche Zipperlein war alles gut. Im ersten Frühling der Kinderlein kam dann, zunächst ganz sachte, der Wind der Veränderung auf. Stimmen wisperten durch die Spielgruppen und Krabbeltreffen. „Und, wann beginnt ihr mit der Eingewöhnung?“; „Habt ihr schon einen Kitaplatz?“; „Wann gehen eure denn zur Tagesmutter?“; „Wie lange bleibst du denn noch zu Hause“ flüsterten sie. 

Die Fragen nehmen kein Ende

Zunächst hörte die Zwillingsmutter gar nicht so genau hin. Es betraf sie schließlich nicht, ihr Plan stand ja fest. Doch die Stimmung wurden lauter und häufiger, und sie stellten mit der Zeit auch andere Fragen: „Brauchst du deinen Job denn nicht auch für dein Ego?“; „Reicht denn das Geld, wenn nur einer arbeiten geht?“; „Willst du denn nicht mehr sein als nur Hausfrau und Mutter?“; „Denkst du nicht, dass deine Kinder andere soziale Kontakte und Förderung brauchen?“ 

Als die Nächte gerade mal wieder besonders kurz waren und am Ende des Schlafes stets noch so viel Müdigkeit übrig blieb, kam die Zwillingsmutter ins Grübeln. Offenbar hatte sich mindestens eine dieser Stimmen beim letzten Krabbeltreff in ihr Ohr verirrt und nach Hause begleitet. Sie wurde unsicher. Würde sie es auf Dauer auch alleine schaffen, die Kinder tagsüber zu betreuen, wenn der Zwillbo-Papa seinen Studienabschluss in der Tasche hat und fortan in Brot und Lohn steht? Müsse sie nicht aufpassen, dass sie in ihrem Beruf, in dieser schnelllebigen und umkämpften Medienwelt nicht den Anschluss verliert? Werden innerhalb von zwei Jahren nicht ganze Medien revolutioniert? Wäre es nicht auch ganz schön, ein bisschen Zeit für sich selbst zu haben? Und eh‘ sie sich versah, hatte sie mitten auf dem Zug in Richtung Kinderbetreuung platzgenommen, um die erste Tagesmutter kennen zu lernen. Mit gemischten Gefühlen. Und viel Skepsis. Zu recht, wie sich zu einem späteren Zeitpunkt herausstellen sollte. 

Das bisschen Haushalt. Und Zwillinge.


Doch nicht nur das seltsame Bauchgefühl mit dieser ersten Tagesmutter beeinflusste die Zwillingsmutter. Als just am selben Nachmittag der erste Zwillbo aus der Ära der Immobilität in das Zeitalter der eigenständigen Fortbewegung mittels Robb-Bewegungen eintrat, wurde ihr bewusst, dass sie Entwicklungsschritte dieser Art keinen Falls verpassen möchte. Sie erteilte den Stimmen Redeverbot und ging ihres Weges. 

Aber um sie herum schmiedeten fast alle Mitmütter große Pläne. Mal wieder regelmäßig zum Sport gehen, wollten viele. Auch mal in Ruhe einen Kaffee trinken, einen Gedanken zu Ende denken oder gar eine vollständige Unterhaltung führen. Abgefahren. Andere freuten sich auf Lebensmitteleinkäufe ohne mütterliches Krisenmanagement an der Kasse oder die Rückkehr zur Einhaltung gewisser Hygienestandards in der eigenen Wohnung. Das klang auch für die Zwillingsmutter wie der Eintritt ins gelobte Land. Als dann noch neue berufliche Möglichkeiten vor ihr Aufstellung nahmen und sprachen „Hallo, wir könnten dafür sorgen, dass du den Fuß in der Tür behältst und mal was anderes machst als Popo ab- und Spucke wegwischst“, da dachte sich die Zwillingsmutter, dass man ja noch einmal einer anderen Tagesmutter eine Chance geben könnte. 

Und wie es irgendjemand wollte, vielleicht war es der Zufall, man weiß es nicht genau, trafen sie zwei nette Frauen, die gemeinsam Kinder betreuen wollten. Weil das Bauchgefühl bei diesen Menschen stimmte, hatte die Zwillingsmutter – ehe sie sich versah – auch einen Betreuungsvertrag unterschrieben. Obwohl es ihr ganz schön viel Trennung erschien, wenn die Kinder an fünf Tagen von 8.30 bis 15 Uhr woanders sein sollten als im Zwillbo-Bau. Aber es waren ja noch ein paar Monate Zeit. Bis dahin wären die Zwillbos um einiges älter und verständiger und würden schon gut begreifen, was passiert und dann würde auch der Zwillingsmutter die Trennung nicht mehr all zu arg erscheinen. Aha.

Die Wochen gingen ins Land und wurden zu Monaten. Und während sich der Zeitgeist freute und triumphierte [„Siehst du, jetzt habe ich dich auch in der Tasche“], kam die Zwillingsmutter mehr und mehr ins Grübeln. Wollte sie dieses Lebensmodell, das da am Horizont auf sie wartete wirklich? Und obwohl die Zwillbos zur Mittagszeit oft zu kleinen breispuckenden Fieslingen mutierten und die Nächte weiterhin vom Prädikat der Kürze geprägt waren, dachte die Zwillingsmutter Mittag für Mittag schmerzlich daran, dass sie all das vermissen würde. Es machte sie immer trauriger daran zu denken, dass bald jemand anderes ihre Kinder auf den Spielplatz und in den Mittagsschlaf begleiten sollte – sie waren doch noch so klein! Und außerdem wünschte sich die Zwillingsmutter, diese Aufgaben selbst zu übernehmen. Nicht auszudenken, wenn einer der Zwillbos seine ersten Schritte nicht an ihrer oder der Hand des Mannes tun würden. 

Als es soweit war, dass sie mittags neben den Kinderlein bittere Tränen weinte, fasste sie sich ein Herz. Sie sprach mit dem Zwillbo-Papa und bat um Aufschub. Nein, vielmehr bat sie um seine Meinung und um Unterstützung. Er bestärkte sie darin, ihrem Herzen zu folgen. Gemeinsam schmiedeten sie den Plan um. Der Zwillbo-Papa rechnete hin und her, so dass bald klar war, dass vermutlich kein Zweitwohnsitz auf den Seychellen wohl aber ein bescheidenes Familienleben finanzierbar sein dürfte, wenn er der einzige bliebe, der sich um die regelmäßige Auffüllung des Bankkontos kümmert. Und weil er ein löwenmutiger Zwillbo-Papa ist, der der Zwillingsmutter oft unangenehme Dinge erspart [das weiß die Zwillingsmutter sehr wohl und ist sehr dankbar dafür], erklärte er auch der Tagesmutter, dass die Zwillbos nicht wie verabredet in wenigen Wochen zur Eingewöhnung erscheinen würden. Die Tagesmutter war vermutlich nicht unbedingt begeistert, aber zeigte sich dennoch verständnisvoll – was die Zwillbo-Eltern darin bestärkte, dass sie mit dieser Frau prinzipiell eine gute Wahl getroffen hätten. 

Und die Zwillingsmutter? Sie ist natürlich oft müde, manchmal genervt, zeitweise an ihren Grenzen, aber in der Summe sehr glücklich, ihre Kinder gerade noch selbst durch den Tag zu begleiten. Sie ist froh, dass die ganze Bande nicht um 8 Uhr abfahrbereit sein, und sich der Tagesrhythmus der Kinder der Betreuungszeit anpassen muss. 

Zuweilen fühlt sie sich aber schon wie ein speziell gelagerter Sonderfall. Ein klein wenig muss es sich so vor 30 Jahren angefühlt haben, wenn man als Mutter NICHT zu Hause bei den Kindern geblieben ist, sondern arbeiten ging: Man war ein kleines bisschen ein Sonderling. Denn die meisten Frauen im Umfeld der Zwillingsmutter gehen spätestens nach 12 Monaten Elternzeit wieder in den Beruf zurück. Vielleicht verliert sie den Anschluss. Oder den Fuß in der Tür. Aber sie verliert zumindest keine Zeit mit ihren Zwillbos. 

Das ist die Geschichte der Zwillingsmutter. Für die hat sie sich entschieden. Es gibt viele verschiedene Geschichten. Für jede davon entscheidet sich eine Mutter aus ihrer jeweiligen Situation heraus. Und die meisten dieser Geschichten sind gut. Zumindest hat jede davon ihre Vor- und ihre Nachteile. ENDE